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Wie funktioniert Fasten?
Angefragt und beantwortet von Patrizia Wechsler am 15.06.2016 15:07 (14478 gelesen)
Schon nach einem Tag ohne Nachschub sind die Zuckerreserven in der Leber aufgebraucht – Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol durchfluten kurzzeitig den Körper. Geringfügig behilft sich das System jetzt mit Eiweiss aus Verdauungstrakt und Muskulatur. Dann geht es allerdings schnell an die Fettspeicher.

Bereits nach etwa 15 Stunden beginnt der Fettabbau in den Speichern und deren Umbau in der Leber. Es entsteht daraus eine ganz besondere Art von Brennstoff: „Ketone“ heissen die energiereichen Herrscher des hungernden Leibes. Sie beteiligen sich jetzt – anstelle von Glukose aus der Nahrung – an der Energieversorgung von Hirn oder Herz. In den unscheinbaren Fettmolekülen verbirgt sich der erste Schlüssel zum Geheimnis des Fastens.

Denn diese Hauptakteure des biochemischen Notfallprogramms sind Supertreibstoffe – auch für das Denkorgan, wie neuste Studien belegen: Sie schützen Nervenzellen und steigern die Produktion von „neurotrophen Faktoren“, die für Lernen und Erinnern entscheidend sind. Das National Institut of Aging im amerikanischen Baltimore konnte den Nachweis erbringen, dasss sich beim Fasten Gehirnzellen ganz neu bilden, und zwar aus Hirnstammzellen: Bei Versuchspersonen verbesserte sich die Gedächtnisleistung.

Fazit: Nahrungsentzug könnte vor einem Abbau der Geisteskraft schützen – und sogar Alzheimer oder Parkinson-Patienten helfen, wie im Tiermodell eindrücklich belegt werden kann. Eine der hochpotenten Ketonenverbindungen, im Fachwörterbuch unter Beta-Hydroxybuttersäure (BHB) aufgeführt, soll sogar als Arznei erprobt werden.
(Quelle: Geo, Ausgabe März 2016, Seite 33)


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